Sehr lebhafte und motorisch unruhige Kinder verstehen und fördern

ADHS … oder doch nur sehr aufgeweckt? Diese Kinder können nicht nur für Eltern, Pädagogen und die Gruppe eine große Herausforderung sein, sondern auch für sich selbst.

Diese Fortbildung vermittelt theoretisches Hintergrundwissen im Bezug auf motorische Verhaltensauffälligkeiten. Durch ressourcenorientierte Methoden erhalten Sie praktische Hilfen, wie Sie diese Kinder in der Gruppe unterstützen können, um Probleme zu mindern. Sie haben auch die Möglichkeit aktuelle Fälle einzubringen.

Schwerpunkte:

  • Ursachen
  • Auffälligkeiten
  • Bedürfnisse dieser Kinder
  • Förderung und Hilfen

Unruhige Kinder in der Kita oder Schule

Nach einigen neueren Studien hat die Zahl verhaltensauffälliger Kinder in den Kitas in Deutschland tatsächlich stark zugenommen. Je nach Studie schätzt man ihren Anteil auf 20% bis 25%. Viele von ihnen fallen durch ihre starke innere Unruhe auf, die sich in vielen verschiedenen Symptomen äußern kann. Es sind meist diese „zappeligen Kinder“, die sich als anstrengend für die Pädagoginnen und Erzieherinnen erweisen. Wie kann man mit ihnen umgehen, um sie einerseits zu unterstützen und andererseits aber auch die Gruppe und die eigenen Nerven zu entlasten? In der Frage nach der Ursache wird heute immer sehr schnell auf die Diagnose ADHS zurückgegriffen. Es mag sicher möglich sein, dass diese Störung tatsächlich so stark zugenommen hat, wie in den Medien zu lesen ist. In medizinischen Fachzeitschriften wird ADHS als häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen bezeichnet und ihre Häufigkeit bei 5,3% aller Kinder eingestuft. Dabei seien die Buben wesentlich häufiger von ADHS betroffen. Die Ursachen sollen sich in einem Mix von genetischen und umweltbedingten Faktoren finden lassen. In den USA aber auch in Deutschland wird auf ADHS schon sehr häufig mit einer medikamentösen Behandlung wie z.B. durch Lithium reagiert. Aber wie bei vielen psychischen Störungen sind die Grenzen zu einem „normalen“ Verhalten fließend. Die Bezeichnung einer Störung wie ADHS nützt uns allerdings im Alltag und im Umgang mit diesen Kindern und der jeweiligen Familie recht wenig.

Unruhige Kinder fördern

Dennoch ist es im Interesse der Kinder und der Eltern wichtig, dass wir uns fördernd und wahrscheinlich fordernd mit ihnen auseinandersetzen. Unterstützung und Hilfe für Kinder und Familie sind wirklich nötig, denn es zeigt sich in einigen Langzeituntersuchungen, dass diese unruhigen Kinder auch im späteren Lebensalter auf viele Probleme stoßen. Weit häufiger als andere werden sie statistisch gesehen in Risikogruppen verortet. Dazu gehören Versagen in der Schule, der übermäßige Nikotinkonsum, Alkoholkonsum und weiterer Drogenmissbrauch, Übergewicht, Arbeitslosigkeit und ähnliche Belastungen. Offensichtlich erleben viele dieser Kinder einen starken inneren Leidensdruck, der sich einmal aus der eigenen Unruhe selbst her bildet, aber natürlich auch durch die Reaktionen der Außenwelt begründet ist. Aus der Ausgrenzung im Kindergarten und in der Schule kann sich leicht eine spätere soziale Isolation entwickeln. Die ständige Beurteilung als „schwierig“, „unerträglich“ oder auch „anstrengend“ nimmt schnell den Charakter einer selbsterfüllenden Prophezeiung an.

Interne und externe Ursachen, Eltern und Kinder

Die Suche nach möglichen Ursachen erweist sich schnell als kompliziertes Puzzle-Spiel. Einerseits benennt man heute schon mehr als 20 wesentliche Faktoren, die sich auf verschiedenen Ebenen lokalisieren lassen. Andererseits ist es schon sehr schwierig auch nur in Einzelfällen ihre gegenseitige Wechselwirkung und ihr Zusammenspiel festzustellen. Zumindest, wenn wir uns als Pädagogen und Erzieher mit diesen Kindern beschäftigen, wird es außerordentlich schwierig werden, mit einer Ursachenforschung und –behandlung positiven Einfluss zu nehmen. Denn selbst, wenn uns die therapeutischen, pädagogischen und ggf. medizinischen Voraussetzungen zur Verfügung stehen, bleibt ja in jedem Fall die Verpflichtung der ganzen Gruppe gegenüber. Dennoch will ich hier kurz auf eine Sammlung möglicher Ursachen eingehen. Generell können wir Ursachen unterscheiden, die sich

  • im Kind selber (traumatisch, genetisch oder krankheitsbedingt)
  • in der Familie
  • in der Umwelt
  • in der betreuenden Einrichtung
  • oder in weiteren Peer-Gruppen

finden und verorten lassen. Je nach wissenschaftlicher Ausrichtung und Forschungsrichtung werden eine Vielzahl von Faktoren verantwortlich gemacht. Jedoch bleibt ein klarer Ursachenbeweis meist aus.

  • Vernachlässigung und/oder übertriebene Aufmerksamkeit: Helicopter-Eltern
  • Entwicklungsstörungen der Kinder
  • Unter- oder Überforderung, Langeweile
  • Emotionale Belastungen wie Angst, Kummer oder Sorgen,
  • Trennungsschmerzen
  • Missbrauch von Smartphone, Tablet, TV
  • Missbrauch von Koffein, Zucker und anderen „Nährstoffen“
  • Bewegungsmangel, kein Sport
  • Bestimmte Lernschwächen
  • Belastete Eltern oder ein belastetes Elternteil
  • Mangel an bestimmten Vitaminen, Mineralien u.ä.
  • Blutzuckerschwankungen
  • Umwelteinflüsse wie Chemikalien, Elektrosmog
  • Allergien, Störungen der Darmflora, Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Ein Seminar mit dem Thema „Unruhige Kinder“

In meinen Seminaren sind Sie auch immer aufgefordert, eigene Fälle mitzubringen, weil sich hieraus immer ein Austausch und häufig auch ein großer Lern- und Erfahrungsgewinn für alle TeilnehmerInnen ergibt. Dabei haben sich in der Vergangenheit auch immer wieder Situationen ergeben, in denen sich tatsächlich eine Hauptursache für diese Unruhe in einem Kind herausgestellt hat. Schon kleinere Veränderungen hatten in diesen Fällen binnen kurzer Zeit wichtige und positive Veränderungen für die Kinder nach sich gezogen. Es ist beglückend, wenn sich tatsächlich solche Lösungen ergeben, doch die Regel ist es nicht. Daher werden wir uns in diesem Seminar weniger um mögliche Ursachen kümmern, wenn sie nicht gerade auf der Hand liegen. Es soll uns vielmehr darum gehen, welche Ansätze und Methoden sich im Alltag als wirksam erwiesen haben und für Sie erweisen können. Dass hierbei nicht nur ein theoretischer Input meinerseits sondern gerade auch Ihre Erfahrungen eine wichtige Rolle spielen, versteht sich von selbst.

Ansätze und Maßnahmen

Die jedenfalls nötige und gründliche Beobachtung des Kindes oder der Kinder fällt manchmal schwer, da wir vielleicht vor Zeitproblemen stehen oder aber auch die nötige Neutralität fehlt. Sind wir bereits in einer angespannten Haltung, ist es sicher etwas schwieriger, nicht aus der Reaktion heraus Fakten zu sammeln. Wir sollten uns dann selbst die Hilfe einer Kollegin bzw. eines Kollegen suchen. Auch empfiehlt sich das Gespräch mit den Eltern, um herauszufinden, wie sich das Kind zu Hause verhält und ob wir es wirklich mit einem „verhaltensauffälligen“ Kind zu tun haben. Es gibt eine ganze Liste von Maßnahmen und Verhaltensweisen, die wir selbst im Umgang mit den Kindern einsetzen können. Dazu gehören zum Beispiel

  • Klare Regelsetzungen für die Kinder
  • Psychomotorische Anregungen und Sport
  • Autogenes Training
  • Musik und Kunst
  • Verhaltenstherapeutische Interventionen wie das Schwächen oder Verstärken gewissen Verhaltens, Verhaltensverträge oder das Training sozialer Fertigkeiten

Dabei hängt es auch viel von der jeweiligen Grundhaltung und Einstellung des verantwortlichen Teams in der jeweiligen Einrichtung ab, aus welchem Rahmen und Kontext die möglichen Interventionen für die Kinder stammen.

Unterstützung und Austausch für Sie

In einem Seminar wie diesem geht es weniger um die Vermittlung pädagogischer Fähigkeiten, sondern eher um den Austausch von Erfahrungen mit einer intensiven Selbstreflektion zur Entwicklung der eigenen Haltungen und Ressourcen. Wenn wir im Alltag mit neuen Reserven an die Herausforderungen herantreten, ergeben sich fast „von selbst“ neue Herangehensweisen, die uns aus dem Strudel der Stressbelastungen und unserer Reaktionen darauf herausführen.

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